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Erfahrungen mit LibreOffice Base

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Hin und wieder lohnt ein Blick über den Tellerrand: Gibt es Alternativen zu Microsoft Access und wenn ja, dann welche? Bei Recherchen stoßen Sie möglicherweise auf die Anwendung Base als Teil der Open-Source-Pakete OpenOffice und LibreOffice. Wir haben uns angesehen, wie dieses Datenbanksystem zu handhaben ist und mit welchen Features es aufwarten kann. Hier finden Sie einen kurzen Überblick über die grundlegendsten Eigenschaften.

Beispieldatenbank

Die Beispiele dieses Artikels finden Sie in der Datenbank 1611_Suedsturm.mdb

Open Source im Unternehmenseinsatz

Nicht immer muss es Microsoft Office sein. In größeren Institutionen schlagen die Lizenzkosten für die unvermeidlichen Office-Pakete deutlich zu Buche. Es existieren Open-Source-Lösungen, die im Funktionsumfang an die professionellen Anwendungen heranreichen. Warum da nicht Geld sparen?

OpenOffice und LibreOffice sind beide Open-Source-Ableger des einstigen StarOffice und werden parallel seit bald 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei ist LibreOffice der jüngere Zweig, welcher, was die Aktivitäten angeht, OpenOffice eindeutig überholt hat.

Das Augenmerk liegt aber bei beiden auf möglichst hoher Analogie zu Microsoft Office und zur Austauschbarkeit der Dateiformate, um den Umstieg so reibungslos wie möglich gestalten zu können und die Lernkurven flach zu halten.

Tatsächlich hat LibreOffice in Deutschland in zahlreichen Institutionen der Öffentlichen Verwaltung, in Unternehmen und Schulen Einzug gehalten, um die Kosten zu reduzieren. Was die Fähigkeiten zumindest von Write (entspricht Word) und Calc (entspricht Excel) angeht, brauchen sich die Anwendungen keinesfalls vor dem Original zu verstecken, wenn die Ansprüche nicht gerade von Spezialisten zu hoch gesteckt werden. Gilt dies denn auch für die Datenbankanwendung Base, die sich ebenfalls an Access orientiert?

Dazu eine kurze Geschichte aus dem Umfeld. Der Sohn hatte in der Oberstufe des Gymnasiums einen Kurs in Informatik zu absolvieren. Im Abitursjahrgang ging es um das Erlernen datenbanktechnischer Themen.

Hier wurden auf etwas ungelenke und altbackene Weise die theoretischen Grundlagen erörtert. Abschließend ging es um die praktische Umsetzung, wobei die Aufgabe in der Anlage eines eigenen dokumentierten Datenmodells bestand, welches um einige Auswertungen in Form von Abfragen und SQL-Anweisungen zu bereichern war. Zum Einsatz sollte dazu das in der Schule verfügbare LibreOffice Base kommen.

Der Umgang damit war allerdings nicht Gegenstand des Unterrichts gewesen. Benotet wurden schließlich die Datenbankdatei und die Dokumentation derselben. Tja, und ohne die Unterstützung des Autors wären dem Schüler keine 15 Punkte beschert gewesen, denn die Mitschüler berichteten von unzähligen Ungereimtheiten, Fehlermeldungen und Abstürzen in Base.

Und ohne Informationen aus diversen Foren im Netz wäre auch der Autor selbst leider nicht weitergekommen und hätte wenig Hilfe leisten können ... Aber alles ist ja einfach, wenn man weiß, wie's geht. Berücksichtigen Sie deshalb besser gleich die folgenden Ausführungen.

Installation von LibreOffice

An der Installation des etwa 200 MB großen Pakets gibt es nichts zu meckern. Es besteht aus einer ausführbaren Setup-Datei, die, ähnlich wie Microsoft Office, eine benutzerdefinierte Auswahl der Office-Bestandteile zulässt, wobei die Möglichkeiten hier vergleichsweise bescheiden ausfallen. Base sollten Sie aktiviert haben, Calc ebenfalls, während Sie für Testzwecke die anderen Anwendungen auch abwählen können.

Sie können sich für die 32-Bit-Variante entscheiden, oder für die 64-Bit-Variante. Sie werden mit dem 64-Bit-Base jedoch Probleme bekommen, sobald Sie auf auf eine Access-Datenbank zugreifen möchten, wenn Microsoft Office in der 32-Bit-Version installiert ist.

Denn Base verwendet für den Zugriff entweder das ADO oder ODBC von Windows und MS Office. Das 64-Bit-Base findet dann keine passenden Treiber, da diese nur in 32-Bit installiert sind. Verwenden Sie deshalb besser gleich das 32-Bit-Setup von LibreOffice. Worüber sich das Setup indessen ausschweigt ist die Tatsache, dass Base für verschiedenen Zwecke eine Java-Runtime-Umgebung benötigt. Sollte diese auf Ihrem System noch nicht vorhanden sein, so holen Sie die Installation nun nach, indem Sie eine der Runtimes von java.org oder Oracle downloaden.

Es spielt keine Rolle für welches Produkt Sie sich entscheiden, wohl aber, welche Version Sie nehmen. Denn die 32-Bit-Version von LibreOffice kann nichts mit einer 64-Bit-Java-Runtime anfangen. Also müssen Sie auch hier darauf achten das 32-Bit-Java zu installieren.

Weiter gibt es keine Systemanforderungen. Sie können übrigens problemlos sowohl 32-Bit-, wie auch 64-Bit-Versionen parallel installieren. Das gilt gleichfalls für die Java-Runtimes.

Das Anlegen einer Datenbank in Base

Es gibt in LibreOffice keine Einzelanwendungen, wie bei Microsoft Office. Sie starten es vielmehr als Gesamtanwendung und entscheiden dann im erscheinenden Navigationsfenster, welche Anwendung Sie benötigen, oder welche Datei Sie öffnen möchten. Unter der Rubrik Erstellen links im Anwendungsfenster klicken Sie auf Base Datenbank.

Das öffnet den Datenbank-Assistenten (Bild 1), der Ihnen drei Auswahloptionen anbietet. Die zweite (Bestehende Base-Datei öffnen) fällt für uns zunächst weg, die dritte (Verbindung herstellen) lassen wir an dieser Stelle ebenfalls unberücksichtigt. Denn hier ginge es um den Zugriff auf Fremdsysteme über ODBC, JDBC, oder ADO.

Eine neue Datenbank wird in Base immer über den Assistenten angelegt

Bild 1: Eine neue Datenbank wird in Base immer über den Assistenten angelegt

Mit der ersten Option kommen Sie zu einer neuen Eingebetteten HSQL-Datenbank, dem Base eigenen DBMS. So, wie Access die Office Database Engine zur Grundlage hat, verwendet Base das Open-Source-DBMS H2SQL. Leider! Denn aus unserer Sicht ist diese Engine nicht so vielseitig, fortschrittlich, performant und ausgereift, wie etwa das ähnliche SQLite, obwohl dieses genauso schlank daherkommt.

Mit einem Klick auf Weiter gelangen Sie zur optionalen Registrierung der Datenbank in LibreOffice. Dieser Schritt ist hier überflüssig. Geben Sie abschließend mit Fertigstellen den Ort an, an dem Sie die auf odb endende Datenbankdatei abspeichern. Daraufhin öffnet sich die GUI, die Oberfläche zur Verwaltung, der Datenbank, wie in Bild 2.

So sieht die Oberfläche von LibreOffice Base mit geladener Datenbank aus

Bild 2: So sieht die Oberfläche von LibreOffice Base mit geladener Datenbank aus

Gemessen am Ribbon von Access mutet diese Oberfläche ziemlich spartanisch an. Die Steuerbereiche, welche den Navigationsbereich von Access ersetzen, teilen sich in drei auf. Links kann man die Abteilungen für Tabellen, Abfragen, Formulare und Berichte ansteuern. Oben befindet sich der Aufgaben-Bereich, der etwas überflüssig wirkt und gut hätte durch einfache Menü- oder Symbolleisten-Schaltflächen ersetzt werden können, da hier grundsätzlich die gleichen drei Befehle zu finden sind. Im Hauptbereich listen sich dann die jeweiligen Elemente auf. In der Abbildung sind bereits einige Tabellen der Südsturm-Datenbank aus Access-im-Unternehmen zu sehen, die importiert wurden. Wir kommen gleich noch darauf zu sprechen, wie das realisiert wurde.

Sie könnten nun Tabellen von Grund auf neu anfertigen. Wir geben hier aber keine umfassende Anleitung, wie Base zu handhaben ist. Einfacher ist es ja wahrscheinlich bestehende Access-Datenbanken zu importieren? Doch eine solche Importmöglichkeit werden Sie nirgendwo finden. Zwar ist Base über ODBC und ADO durchaus imstande, auf eine Access-Datenbank zuzugreifen und sie auszulesen, doch ein direkter Import ist nicht vorgesehen.

Datenbank von Access nach Base importieren

Der Weg ist leider lang und steinig. Sie erzeugen eine neue Datenbank in Base und wählen diesmal aus den drei Optionen Verbindung zu einer bestehenden Datenbank herstellen. Das Kombinationsfeld darunter sollten Sie auf den Eintrag Microsoft Access einstellen. Im nächsten Schritt werden Sie dann zur Auswahl der Datenbankdatei aufgefordert. Bei Access ist dabei nur das mdb-Format erlaubt, bei Access 2007 das accdb-Format. Anschließend vergeben Sie einen Namen für die Base-odb-Datei. Die Datenbank öffnet sich nun nach etwas Bedenkzeit und zeigt die scheinbar importierten Tabellen alle korrekt an. Wir absolvierten dies für die Suedsturm.mdb. Doch was genau haben wir nun vor uns?

Imgrunde stellt Base hier ein Frontend für die Access-Datenbank dar. Sie können die Tabellen öffnen und die Daten bearbeiten, so, wie bei verknüpften Tabellen in Access. Ihr Entwurf lässt sich über das Kontextmenü auf einen Tabellennamen (Bearbeiten...) auch einsehen, jedoch nicht bearbeiten. Ein Beispiel für die Tabelle tblArtikel zeigt Bild 3, in dem die Entwurfssperrung durch die deaktivierten Felder deutlich wird. Die Entwurfsansicht ist ganz offensichtlich Access nachgebildet, hält jedoch etwas weniger Features und Einstellmöglichkeiten bereit.

Die Definition der Tabelle tblArtikel im Entwurfsfenster von Base

Bild 3: Die Definition der Tabelle tblArtikel im Entwurfsfenster von Base

Über das Menü von Base gelangen Sie ins Beziehungsfenster (Extras | Beziehungen...). Tatsächlich findet sich hier ein Abbild der unter Access definierten Tabellenverknüpfungen, wenn auch das Layout nicht dem Vorbild entspricht. Etwas entwirrt sieht es aus, wie in Bild 4, wo außerdem die Beziehung zwischen tblArtikel und tblBestellungen doppelgeklickt wurde. Der sich damit öffnende Dialog zeigt die Eigenschaften der Beziehung an, wobei die Namensgebung von Access abweicht und eher SQL-Standards entspricht. Hier ist referenziell Aktualisierungs- und Löschweitergabe eingestellt.

Das Beziehungsfenster von Base ist nach dem Access-Vorbild gestaltet

Bild 4: Das Beziehungsfenster von Base ist nach dem Access-Vorbild gestaltet

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